Erfolgreicher Abschluss: Fachtag zu #meinklima
Im Modellprojekt #meinklima haben wir uns zum Ziel gesetzt, die Stimmen prekarisierter Jugendlicher im Diskurs um Klimakrise und -gerechtigkeit hörbarer zu machen. Das Dreieck aus prekarisierten Jugendlichen als Zielgruppe, TikTok als Medium und Klimagerechtigkeit als Thema hat uns durch das Projekt hindurch vor spannende Herausforderungen gestellt. Wir haben also mit #meinklima eine lange Reise hinter uns. Mit dem Fachtag hat sie ihren offiziellen Abschluss gefunden. Gleichzeitig war der Tag für uns eine gute Gelegenheit, vor einem Fachpublikum über unsere Arbeit zu berichten, die Lehren zur Debatte zu stellen und über die offenen Fragen zu diskutieren.
Unsere freundliche Gastgeberin für den Tag war medico e.V., das uns das Medicohaus in der Lindleystraße zur Verfügung stellte und uns bewirtete. Karin Zenning von medico war es dann auch die den Fachtag mit einem spannenden Kurzinput einleitete. Mit Einsichten aus vielen Projekten weltweit führte sie uns die aktuelle Lage der Klimakrise und die Bedeutung globaler Klimagerechtigkeit vor Augen.
Nach dem anschließenden Überblick über die fast drei Projektjahre mit Teamenden-Fortbildungen, TikTok-Kampagne und Jugendseminaren, konnten sich die Teilnehmenden im Worldcafé-Format intensiver mit einzelnen Aspekten beschäftigen. Projektbeteiligte standen an den verschiedenen Tischen für alle Fragen und Diskussionen bereit. So gab es unter anderem Stationen zur Arbeit mit TikTok, Seminarkonzeption und den konkreten Erfahrungen mit den Jugendlichen. Zentrale Erfahrungen und neue Methoden werden wir hier auf unserer Website noch veröffentlichen.
Etwas ungewöhnlicher war vielleicht eine Station zum Thema Evaluation. Im Zuge von #meinklima sind wir im Projekt PrEval eine Kooperation mit Evaluationswissenschaftlerinnen von DeZim eingegangen. Beim aktuell in der politischen Bildung viel diskutierten Thema Evaluation ist es uns wichtig, neue Praktiken auszuprobieren und alte zu reflektieren sowie gleichzeitig die Debatte um kritische Einsichten aus der Praxis zu ergänzen.
Insgesamt gab es viel Interesse und lebendige Diskussionen an den Stationen. Die vielen neuen oder unüblichen Aspekte des Projekts geben natürlich viel Stoff für Nachfragen und Meinungsverschiedenheiten. Gerade beim Thema TikTok trafen verschiedene Meinungen darüber aufeinander, wie man mit dem Medium umgeht. Dazu boten wir im nächsten Programmpunkt eine Einführung in algorithmische Logiken, Nutzungsverhalten und Formate auf TikTok an, um dann unsere eigenen TikTok-Kampagne vorzustellen. Viel diskutiert wurde ob und wie man TikTok in der politischen Bildung nutzen möchte und inwiefern wir uns dabei an TikTok-Logiken anpassen sollten. Unsere eigenen Videos zeigen, auf welche ästhetischen und inhaltlichen Kompromisse man sich als politische Bildner:innen ggf. auf der Plattform einlässt. Sie zeigen aber auch, dass politische Bildung auf TikTok durchaus möglich ist.
Mit unseren Erfahrungen aus #meinklima hoffen wir, in zukünftigen Videos noch näher an TikTok-Formate kommen, ohne dabei unsere Ansprüche als politische Bildner:innen zu schmälern. TikTok-Videos sollten wir nicht als abgeschlossene Einheiten betrachten, in denen Bildungsinhalte schon ausreichend tief und kontrovers vermittelt werden müssen. Sie stehen im Kontext des Endlos-Feeds der jugendlichen Nutzer:innen und sollten als Interventionen in diesen Fluss aus Bildern und Botschaften wirken.
Nach der Mittagspause wurde ein weiterer zentraler Bestandteil des Projektes praktisch vorgestellt: Die zwei Bildungsspiele zu Klimagerechtigkeit, die wir im Projekt entwickelt haben, konnten in wechselnden Gruppen von allen Teilnehmenden ausprobiert werden. Im Spiel „Nobody is an I-Land“ geht es darum, mithilfe einer klassischen Brettspielmechanik die Wichtigkeit von Kooperation zum Klimaschutz anhand von konkreten Beispielen zu vermitteln.
Das zweite Spiel, „The Struggle is Real“, zeigt die unterschiedlichen Betroffenheiten und Verantwortlichkeiten der Klimakrise und macht gesellschaftliche Aushandlungsprozesse rund um Macht, Solidarität und Eigeninteresse erlebbar. Seine Dynamik entsteht dabei gerade daraus, dass es offensichtlich unfair ist, aber auch Benachteiligten sich in Diskussionen um gemeinsame Lösungen durchsetzen können.
Beide Spiele beinhalten in der Praxis neben der Spielphase eine Auswertungsphase, in der Erfahrungen besprochen und in der das Geschehene und Gelernte reflektiert werden können. Wir haben mit beiden Spielen sowohl in den Seminaren als auch auf dem Fachtag gute Erfahrungen gemacht und stellen sie Euch bald mitsamt einer Methodenhandreichung zur Verfügung.
Den Abschluss des Tages bildete ein Podium in dem vier Projektbeteiligte unterschiedliche Aspekte des Projektes näher beleuchten und diskutierten. Gewinnen dafür konnten wir Gerborg Böde von dem Marktgarten Stolze Gärtner, der Solidarischen Landwirtschaft, die wir im Rahmen des Projekts besucht haben; eine unserer Spielentwicklerinnen Rabab Flaga; die Evaluationsforscherin Luisa Schmidt von Das Nettz und die Kommunikationsdesignerin Eva Kneer, die unsere TikTok-Kampange maßgeblich mitgestaltet hat. Hierbei wurde noch einmal deutlich, wie viele Elemente das Projekt letztendlich hatte und wie komplex die Voraussetzungen für gelingende politische Bildung sind – vor allem, wenn man Dinge ausprobiert und anders macht, als wir es gewohnt sind. Gleichzeitig hat das Abschlusspodium auch gezeigt, wie erfolgreich das Projekt in vielerlei Hinsicht war: die Spiele, die wir entwickelt haben, die Erkenntnisse, die wir über die Zielgruppe, das Thema und das Medium gesammelt haben, die Beziehungen, die wir geknüpft haben und im Zentrum natürlich die Seminare mit den Jugendlichen und die Dinge, die sie und wir daraus mitgenommen haben.
